Warum MikroSafari?
Es gibt viele Menschen, die sich mit dem Klimawandel und dessen Folgen beschäftigen. Dabei fühlen sie sich einem bereits akuten und zukünftigen Problem ausgesetzt, dessen Ausmaße weder sie noch die Wissenschaft vollends kennen. Um Lösungen zu erarbeiten, müssen wir die Folgen und Auswirkungen verstehen, um die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Forschende tragen dabei die Verantwortung, motivierte Bürgerinnen und Bürger mit in die Datenerhebung einzubinden, da es sich beim Klimawandel um ein zivilisationsübergreifendes Phänomen handelt.
Forschungsziel:
Das Projekt untersucht, wie sich unterschiedliche Gartenmanagement-Praktiken und städtische Umweltfaktoren auf die Artenvielfalt von Arthropoden und die Bodenqualität auswirken. Im Mittelpunkt steht die Frage:
Wie können Kleingärten so bewirtschaftet werden, dass sie die Biodiversität fördern und gleichzeitig lebendige Lebensräume für Mensch und Natur bleiben?
Dazu werden Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Forschung mit eingebunden und moderne molekulare Methoden (DNA-Analysen) werden mit klassischen taxonomischen Methoden kombiniert.
Hotspots der Biodiversität in Städten:
Durch das Wachstum der Bevölkerung wachsen auch Städte immer weiter und nehmen damit immer mehr natürlichen Lebensraum ein. Wo früher Wiesen, Wälder oder Felder waren, entstehen heute Wohngebiete, Straßen und Gewerbegebiete. Dadurch werden viele Arten verdrängt. Aber auch innerhalb einer Stadt können Lebensräume entstehen. Parks, Friedhöfe, Gärten und Kleingärten sowie brachliegende Flächen können zu Hotspots der Biodiversität für Insekten, Spinnen und andere Arthropoden werden, wenn die Bedingungen günstig sind. Auf oft erstaunlich wenig Raum vereinen diese Flächen unterschiedlichste Strukturen: Beete, Hecken, Komposthaufen, Rasenflächen, manchmal auch kleine Teiche oder Trockenmauern. Genau diese Vielfalt kann sie zu wertvollen Lebensräumen machen.
Doch wie hängt das mit der Pflege zusammen? Ein Garten, in dem viel gemäht oder stark gedüngt wird, sieht anders aus als ein naturnah bewirtschafteter Garten und bietet auch anderen Lebewesen andere Bedingungen. Das Projekt möchte genau das genauer verstehen: Welche Praktiken fördern die Artenvielfalt? Welche haben eher einen dämpfenden Effekt? Und wie wirkt sich das auf die Gesundheit des Bodens aus?
Ziel ist es gemeinsam herauszufinden, wie städtische Kleingärten noch lebendiger werden können. Sowohl für die Natur als auch für die Menschen, die sie nutzen und pflegen.
Städte als ideales Klimalabor:
Durch diesen Ansatz nutzen wir die Stadt außerdem als eine Art Simulation des Klimawandels, bei der wir erkennen, welche Arten tolerant gegenüber einer erhöhten Durchschnittstemperatur sind und welche Arten verschwinden werden. Bei einem zu erwartenden Temperaturanstieg von 1,5 °C innerhalb der Jahre 2030 und 2052, sind das wertvolle Informationen, auf die wir dann entsprechend reagieren können. Ameisen, Käfer, Spinnen und viele weitere Arthropoden sind wichtige Teile unseres Ökosystems und übernehmen Aufgaben wie Kompostierung, Bestäubung, Nahrungsangebot und vieles mehr. Könnte ein solcher Faktor Faktor wegfallen, müssen wir darauf vorbereitet sein und versuchen dies zu verhindern. Sie sind außerdem wichtige Bioindikatoren, da die Klimaveränderungen auch die Menschen betreffen werden.
Gemeinsam Wissen schaffen:
Wie oben erwähnt, wollen wir hier nicht einfach als Uni-WissenschaftlerInnen Daten erheben, Daten auswerten und dann nur im Elfenbeinturm der wissenschaftlichen Gemeinschaft die Ergebnisse ausdiskutieren. Deshalb wollen wir Partnerschaften mit verschiedenen KleingärtnerInnen sowie Kleingartenkolonien in den Städten Jena und Berlin aufbauen und unsere Experiment gemeinsam mit durchführen. Wir möchten gemeinsam mit allen Generationen in diesem Citizen-Science Projekt forschen, um gemeinsam zu diskutieren, wie biodiversitäts-freundliche Gärten und klimaresiliente Städte aussehen können.

